Spinalkanalstenose: Wie Sie mit Gehtraining Ihre Gehstrecke wieder verlängern


Ich werde von Patienten oft gefragt, welche Therapiemöglichkeiten es für eine Spinalkanalstenose gibt, wenn man nicht an eine Operation denken möchte. Abgesehen von Infiltrationen unter Röntgenkontrolle ist das Gehtraining ein zentraler Pfeiler in der konservativen Therapie.
Warum regelmäßiges Gehtraining wirksamer ist als Schonung bei einer Spinalkanalstenose?
Viele Menschen mit einer Spinalkanalstenose vermeiden das Gehen. Die Beine werden schwach, es kribbelt in den Beinen oder Schmerzen oder sogar Stürzee führen zu massiven Problemen. Gehen wird vermieden, Sitzen ist einfach sicherer. Das erscheint verständlich – ist langfristig aber meist genau der falsche Weg. Studien zeigen, dass ein gezieltes Gehtraining die Gehstrecke deutlich verbessern und die Lebensqualität steigern kann. Entscheidend ist dabei nicht, schmerzfrei zu gehen, sondern richtig zu trainieren.
Was passiert bei einer Spinalkanalstenose?
Mit zunehmendem Alter kommt es bei vielen Menschen zu Verschleißerscheinungen der Lendenwirbelsäule. Bandscheiben verlieren an Höhe und wölben sich vor. Facettengelenke werden größer und Bänder verdicken sich. Dadurch verengt sich der Spinalkanal – der Raum, in dem die Nerven verlaufen. Es entsteht eine 360 Grad Einengung, im Gegensatz zu Bandscheibenvorfall..
Die Folge sind typische Beschwerden:
Schmerzen in Gesäß oder Beinen
Kribbeln oder Taubheitsgefühle ("Ameisenlaufen", "Wurrlen")
Schwere Beine
Nachlassende Gehstrecke, jeden Tag unterschiedlich
Besserung beim Sitzen oder beim Vorbeugen
Dieses Krankheitsbild wird als Claudicatio spinalis bezeichnet.
Warum verschlechtert Schonung die Situation?
Viele Betroffene entwickeln aus Angst vor Schmerzen ein Schonverhalten. Sie gehen immer weniger, fahren häufiger mit dem Auto oder setzen sich bereits nach kurzen Gehstrecken hin.
Kurzfristig lindert das die Beschwerden.
Langfristig entstehen jedoch neue Probleme:
Abnahme der Muskelkraft (Rumpf und Beinmuskulatur)
schlechtere Ausdauer
Unsicherheit beim Gehen,
Stürze, weil das Bein schwach wird
zunehmende Einschränkung im Alltag
Verlust der Selbstständigkeit
Die Folge ist ein Teufelskreis: Weniger Bewegung führt zu noch geringerer Belastbarkeit.
Warum hilft ausgerechnet Gehen?
Viele Patienten fragen:
„Wenn Gehen Schmerzen verursacht – warum soll ich dann mehr gehen?“
Die Antwort lautet: Weil dosiertes Gehtraining den Körper an die Belastung anpasst.
Dabei verbessern sich unter anderem:
die allgemeine Ausdauer
die Muskulatur von Beinen und Rumpf
die Bewegungskoordination
die Belastbarkeit der Nerven
das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
Das Ziel besteht nicht darin, die Spinalkanalstenose „wegzutrainieren“. Vielmehr lernt der Körper, mit der vorhandenen Einengung besser umzugehen.
Bei jedem Schritt müssen die Nervenfasern durch die Engstelle gleiten. Das hält die Fasern "dünn und geschmeidig" . Wenn die Fasern hängenbleiben, kommt es zu Entzündungen. Entzündungen führen zu Verdickungen und Verklebungen. Die Schmerzen werden stärker. Das sollte verhindert werden.
Schmerzen sind erlaubt – aber nur bis zu einer Grenze
Ein häufiger Irrtum lautet:
„Ich darf nur gehen, solange ich überhaupt keine Beschwerden habe.“
Das stimmt nicht.
Beim Gehtraining dürfen die bekannten Beschwerden durchaus auftreten.
Als Orientierung eignet sich eine Schmerzskala von 0 bis 10:
0–2: problemlos
3–4: optimaler Trainingsbereich
5: noch akzeptabel
ab 6: Pause einlegen
Die Beschwerden sollten nach einer kurzen Pause wieder deutlich nachlassen.
Die richtige Pause
Viele Patienten setzen sich sofort hin.
Oft genügt jedoch bereits:
kurz stehen bleiben
den Oberkörper leicht nach vorne beugen
sich eventuell auf einen Rollator oder ein Geländer stützen
Anschließend kann das Gehen fortgesetzt werden.
Dieses Intervalltraining ist häufig deutlich effektiver als der Versuch, möglichst lange ohne Pause durchzuhalten.
So sieht ein einfaches Gehtraining aus
Ein bewährtes Schema für ein Gehtraining bei einer Spinalkanalstenose aus:
Testen Sie Ihre Ausgangslage, langsam beginnen
Verwenden Sie 2 Wanderstöcke/Nordic Walking Stöcke
Gehen, bis die Beschwerden etwa 4–5 von 10 erreichen
kurze Pause
Dann weitergehen
insgesamt 20–30 Minuten trainieren
Dokumentation der Gehleistung: schreiben Sie die Schritte oder Distanz auf
Nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
Wie oft sollte trainiert werden?
Ideal sind:
5 Trainingstage pro Woche
jeweils 20 bis 30 Minuten, wenn das möglich ist
langsame Steigerung der Gehstrecke, 10 Prozent pro Woche
Schon nach sechs bis zwölf Wochen berichten viele Patienten über längere Gehstrecken und mehr Sicherheit im Alltag.
Was zusätzlich bei einer Spinalkanalstenose hilft
Ein Gehtraining wirkt besonders gut in Kombination mit:
Kräftigung der Gesäßmuskulatur
Rumpfstabilisation
Gleichgewichtstraining
Mobilisation der Hüften
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Je besser die Muskulatur arbeitet, desto leichter fällt vielen Patienten das Gehen. Dafür ist eine begleitende Physiotherapie sinnvoll
Wann sollte man zum Arzt?
Die Diagnose muss durch einen Arzt mit Erfahrung in der Behandlung von Rückenschmerzen gestellt werden. Ist die Diagnose bekannt sind regelmässige Kontrollen notwendig. Auf Verschlechterungen ist zu achten. Nicht jede Verschlechterung ist harmlos.
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei:
neu auftretender Schwäche im Bein
Fußheberlähmung
Taubheitsgefühl im Genitalbereich
Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
starken Schmerzen, die sich trotz Ruhe nicht bessern
Diese Beschwerden können auf eine ernsthafte Nervenkompression hinweisen.
Muss jede Spinalkanalstenose operiert werden?
Nein.
Viele Patientinnen und Patienten profitieren zunächst von einer konsequenten konservativen Behandlung mit:
individuell angepasstem Gehtraining
gezielter Bewegungstherapie udn Gleichgewichtstraining
Infiltrationen unter Röntgenkontrolle: Sakrale Epidurale Infiltration 3x im Abstand von 4-6 Wochen
Ergometertraining
Infusionen
Passive Muskelstimulation
Eine Operation kommt insbesondere dann infrage, wenn trotz ausgeschöpfter konservativer Therapie erhebliche Einschränkungen bestehen oder neurologische Ausfälle auftreten.
Fazit
Eine Spinalkanalstenose bedeutet nicht automatisch, dass Bewegung vermieden werden muss – im Gegenteil. Ein gut dosiertes, regelmäßiges Gehtraining gehört zu den wichtigen konservativen Maßnahmen. Entscheidend ist, die Belastung an die eigenen Beschwerden anzupassen, Pausen bewusst einzuplanen und das Training kontinuierlich fortzuführen. Mit Geduld und einem strukturierten Programm und guter ärztlicher Betreuung gelingt es vielen Betroffenen, ihre Gehstrecke zu verlängern und wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Mein Tipp vom Rückenschmerzzentrum Wien-Speising
Bleiben Sie in Bewegung und trainieren Sie mit individuellen Therapieplan.

und das Team vom Rückenschmerzzentrum Wien-Speising
Das Rückenschmerzzentrum Wien-Speising ist für Sie da. Kontaktieren Sie uns unter office@rsp.wien oder rufen Sie uns an unter 0676/4907090. Wir helfen Ihnen, Ihren Rücken wieder fit zu machen! Unter http://www.rsp.wien/termin können Sie unkompliziert Termine direkt buchen.
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