Osteochondrose der Lendenwirbelsäule – Ursachen, Symptome und moderne Therapien
- Dr. Philipp Becker

- 21. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.

Anna F. ist 58 Jahre. Sie sitzt vor mir am Schreibtisch und erzählt von ihren Rückenproblemen. Der Beginn ist schon lange her. Ein Bandscheibenvorfall vor vielen Jahren wurde damals konservativ behandelt. Der Schmerz war furchtbar. 10 Jahre später haben die Rückenschmerzen wieder begonnen. Zunächst war es nur ein paar Male im Jahr. Massagen, Infusionen und Einrenken haben den Schmerz immer wieder gebessert. Seit 2 Jahren hilft aber gar nichts mehr. "In der Früh hab ich das Gefühl, das Kreuz reißt mit ab". Es wird dann besser, aber nach dem Büro müsse sie sich wieder hinlegen. Die Spaziergänge mit dem Hund werden zunehmend schwierig, für mehr ist keine Zeit. Jetzt braucht sie meine Hilfe.
Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Eine der oft dahinterliegenden Ursachen ist die Osteochondrose der Lendenwirbelsäule (LWS). Diese degenerative Erkrankung betrifft die Bandscheiben und angrenzenden Wirbelkörper meist im unteren Rückenbereich, aber auch in der Halswirbelsäule. In diesem Blogartikel erfahren Sie verständlich und praxisnah, was eine Osteochondrose der Lendenwirbelsäule ist, wie sie entsteht und welche Behandlungsoptionen heute zur Verfügung stehen.
Was ist eine Osteochondrose der Lendenwirbelsäule?
Die Osteochondrose der Lendenwirbelsäule ist eine verschleißbedingte Erkrankung der Wirbelsäule. Sie entsteht durch den fortschreitenden Abbau der Bandscheiben, die normalerweise als Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln fungieren. Mit der Zeit verlieren diese Bandscheiben an Elastizität und Höhe. Der Stossdämpfer geht verloren. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Wirbelkörper, was zu Veränderungen des Knochens führt. Im Knochen entsteht meist eine Flüssigkeitsansammlung von unterschiedlichen Zellen. Dies wird Ödem genannt. Je nach Aktivität gibt unterschiedliche Schweregrade, diese werden nach in 3 Stufen eingeteilt (Modic I-III). Auch die kleinen Wirbelgelenke vergrößern sich, die Knochenkanten wachsen und es entstehen Einengungen von Nerven (Neuroforamenstenose und Recessusstenose).
Besonders betroffen ist die Lendenwirbelsäule, da sie den größten Teil des Körpergewichts trägt und bei Bewegungen stark beansprucht wird. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und wird häufig erst dann bemerkt, wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen auftreten.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung einer Osteochondrose der Lendenwirbelsäule ist meist multifaktoriell. Ein grundlegendes Problem ist jedoch jeder Bandscheibenvorfall, der durch den Gewebsverlust einen Auslöser und Trigger darstellt. Zu den weiteren verstärkenden Faktoren zählen:
Natürlicher Alterungsprozess der Bandscheiben
Bewegungsmangel und zu wenig Sport
Schwache Rückenmuskulatur
Übergewicht, das die Wirbelsäule zusätzlich belastet
Sitzender Beruf
Genetische Veranlagung
Typische Symptome der Osteochondrose LWS
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausfallen und hängen vom Stadium der Erkrankung ab. Häufige Symptome sind:
Chronische oder wiederkehrende Rückenschmerzen im unteren Rücken. Der Beginn ist episodenhaft. Kreuzschmerzen über einige Tage bis Wochen werden berichtet, anschließend wird es wieder besser für Wochen bis Monate.
Steifigkeitsgefühl, besonders morgens ("Die ersten 10 Minuten in der Früh sind ein Horror", "Beim Zähneputzen oder Rasieren kommen mir die Tränen" berichten mir oft die Patienten.
Schmerzen nach langem Sitzen. Die Heurigenbank oder Holzsessel werden als Schmerzursache eingestuft. Auch lange Autofahrten werden vermieden.
Bewegungseinschränkungen beim Bücken oder Drehen. Schuhe- und Sockenanziehen wird schwieriger. Beim Spurwechsel oder Einparken im Auto wird der ganze Oberkörper verdreht.
Ausstrahlende Schmerzen in Gesäß oder Beine. Der Schmerz in den Gesässbacken wird oft fehlinterpretiert. Das Kreuzdarmbeingelenk (ISG) oder der Muskel Piriformis wird manchmal jahrelang sinnlos behandelt.
In schweren Fällen Kribbeln oder Taubheitsgefühle, wenn Nerven betroffen sind. Diese Einengung ist manchmal schwierig im liegenden MRT nachzuweisen, da Nerveneinengung nur bei Belastung entsteht.
Die Schmerzen verstärken sich oft bei Belastung und bessern sich in Ruhephasen. Dies ist ein verlässlicher Hinweis, um eine Ostechondrose von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.
Diagnose: Wie wird eine Osteochondrose der Wirbelsäule festgestellt?

Die Diagnose beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Arztgespräch. Zur genauen Beurteilung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:
Röntgenaufnahmen zeigen Veränderungen an Wirbeln und Bandscheiben
MRT (Magnetresonanztomographie) stellt Bandscheiben und Nervenstrukturen detailliert dar. Es kann der Schweregrad beurteilt werden. In Zusammenschau mit der Schmerzsymtomatik kann auch eine Operation empfohlen werden
CT kann knöcherne Veränderungen präzise abbilden und ist nur in Einzelfällen notwendig
Ich beurteile das Ausmaß der Osteochondrose der Lendenwirbelsäule ausschließlich mit einem MRT plus Röntgen.
Behandlungsmöglichkeiten – was hilft wirklich?
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich die Osteochondrose der LWS konservativ, also ohne Operation, behandeln. Der Schmerz kann meist gelindert awerden. Die schlechte Nachricht: Eine Heilung kann durch konservative Massnahmen nicht erreicht werden. Eine neue Bandscheibe können wir nicht nachwachsen lassen.
Konservative Therapie
Strukturierte Bewegungsübungen zur Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur. Wir empfehlen unser klassifikationsbasiertes Übungsmanagement. Dies ist eim aufbauendes Programm, zusammengestellt nach Bild-, Struktur, und Funktionsanalyse.
Schmerz- und Entzündungshemmer sowie Cortison zur Linderung akuter Beschwerden
Muskelentspannung: Massage und TENS
Mikronährstoffe, um entzündliche Veränderungen zu reduzieren
Gezielte Eigenplasma Injektionen
Rückenbandagen für den akuten Schub
Rückenschule für ergonomisches Verhalten im Alltag und Optimierung der Schlafergonomie
Interventionelle Maßnahmen
Eine gezielte Infiltrationen der Facettengelenke ist ein Kernelement jeder konservativen Therapie.
Wenn Schmerzen in den Beinen vorhanden sind, ist zusätzlich eine Nerveninfiltration unter Röntgen notwendig.
Chirurgische Lösungen
Bei fortgeschrittenen Veränderungen, frustraner Therapie und entsprechenden Leidensdruck wird eine Operation in Betracht gezogen. Ziel ist es, Druck von Nerven zu nehmen und die Segmente zu stabilisieren. Die defekte Bandscheibe muss ersetzt werden, um den Entzündungsreiz zu beheben. Die OP Technik ist eine Stabilisierung der Lendenwirbel (TLIF). Es werden dazu 4 Schrauben, 2 Stäbe und ein Platzhalter verwendet.
Osteochondrose der Lendenwirbelsäule im Alltag – was kannst du selbst tun?
Ein aktiver Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle. Diese Maßnahmen helfen, Beschwerden zu lindern und Fortschreiten zu verlangsamen:
Regelmäßige Bewegung wie Nordic Walking, Ruderergometer, Klettern oder Schwimmen in Kraultechnik
Gezielte Rückenübungen
Ergonomischer Arbeitsplatz
Gewichtsreduktion, falls nötig
Bewusstes Heben und Tragen (use it or loose it)
Schon kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen großen Unterschied machen. Wer dokumentiert, ist motiviert. Schreiben Sie ein Bewegungsprotokoll oder verwenden Sie einen der zahlreichen Tracker.
Häufig gestellte Patientenfragen (FAQ)
1. Ist Osteochondrose der Lendenwirbelsäule heilbar?
Nein, sie gilt als nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich meist gut reduzieren.
2. Ist Sport bei Osteochondrose erlaubt?
Ja, Sport ist sogar empfehlenswert. Machen Sie das, was geht. Sitzen ist eine Problem, nicht der Sport
3. Welche Sportarten sind besonders geeignet?
Schwimmen (Kein Schwanschwimmen - der Kopf muss unters Wasser) Radfahren und Rudern gelten als sinnvoll.
4. Kann Osteochondrose Bandscheibenvorfälle verursachen?
Ja, geschädigte Bandscheiben erhöhen das Risiko. Andererseits führt ein Bandscheibenvorfall aber genauso zur Osteochondrose.
5) Wann ist eine Operation sinnvoll?
Wenn die konservative Therapiemassnahmen keine Besserung bringen,
die Schmerzursache einer EINZELNEN Bandscheibe zugerechnet werden
die Lebensqualität verbessert werden kann
1+2+3.
Es macht keinen Sinn, wirkungslose Therapien zu wiederholen
6. Wie lange dauert eine konservative Behandlung?
Oft handelt es sich um eine langfristige, begleitende Therapie über 3 bis 6 Monate. Die Therapie sollte stets mehrere Puzzleteile umfassen
7) Wie lange bin ich nach einer Stabilisierung (Operation) ausser Gefecht?
5 bis 6 Tage sind Sie nach einer Operation im Spital. Aufstehen nach der Operation beginnt am 1. oder 2. Tag. 6 Wochen nach der Operation sollten Sie sich schonen. (Lockere Bewegung, kein Sport)
Fazit
Die Osteochondrose der Lendenwirbelsäule ist eine sehr häufige Schmerzursache ab dem 50. Lebensjahr. Mit der richtigen Therapie, regelmäßiger Bewegung und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper lassen sich Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Wer frühzeitig handelt, kann langfristigen Beschwerden effektiv vorbeugen. Die beschwerdearmen Intervalle müssen für strukturierte Bewegungsübungen ausgenützt werden. Die Operation ist eine Option. Wenn die richtigen Therapien keine Besserung bringen, sollte darüber rechtzeitig und kompetent nachgedacht werden. Je fitter die Ausgangslage, desto besser das Ergebnis.

Dr. Philipp Becker und das Team vom Rückenschmerzpunkt Wien
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